Ortseingang von Klausheide mit Willkommensschild Klausheider Weg in Klausheide mit Kirchen
Herrenhaus von Gut Klausheide Tower vom Flugplatz Klausheide

1910 bis 1925 1925 bis 1945 1945 bis 1974 1974 bis 1989 Ab 1990

Klausheide – vom Gutsdorf zum Gewerbe- und Industriestandort

Wappen von Klausheide Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren weite Teile des Klausheider Gebietes von Heide- und Moorflächen bedeckt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Wandel in der Landwirtschaft und in der Haushaltsführung in den Moorgegenden. So nutzten die Bewohner der umliegenden Dörfer und Bauerschaften zunehmend Kohlen statt Torf zum Heizen und durch die Erfindung des Kunstdüngers stiegen die landwirtschaftlichen Erträge deutlich und die Plaggendüngung wurde aufgegeben. Die Eigentümer und Markenrechtler der Ödlandflächen waren deshalb nicht mehr auf die Moore und das Heideland angewiesen. Viele Eigentümer waren daran interessiert, ihre Flächen zu verkaufen, zumal diese Flächen bis zu zehn Kilometer von ihren Wohnungen entfernt lagen.

Familie Krupp gründet Clausheide

Foto der Familie Krupp von Bohlen und Halbach Daher konnte Bertha Krupp von Bohlen und Halbach ab 1910 zusammenhängende, bis dahin unbewohnte Moor- und Heideflächen erwerben. Diese Flächen lagen auf dem Gebiet der Landkreise Grafschaft Bentheim und Lingen in der Provinz Hannover. Ziel war die Kultivierung des Landes für land- und forstwirtschaftliche Zwecke und die Errichtung eines Mustergutes.

1910 bis 1925

Bei einem Besuch des Gebietes am 27. April 1914 gaben Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach bekannt, das Gut nach Claus von Bohlen und Halbach, dem dritten Sohn des Paares, Clausheide zu nennen. Am 9. Juni 1915 erfolgte der erste Spatenstich für den Gutshof nördlich der Chaussee Nordhorn – Lingen, der heutigen B 213. Bei den Bauarbeiten wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Gutsbezirk Klausheide Der Erste Weltkrieg behinderte den raschen Fortgang der Kultivierungsmaßnahmen, dennoch konnte bereits 1916 die erste Ernte eingefahren werden. 1917 war der Gutshof soweit fertiggestellt, dass der Gutsverwalter einziehen konnte. 1919 wurden die Bauarbeiten am Gutshof beendet und es wurde mit dem Bau der Arbeiterkolonie beidseits der Chaussee begonnen. Auf der Südseite entstanden zehn und auf der Nordseite acht Doppelhäuser. 1920 zogen die ersten Familien in die Kolonie.

1925 bis 1945

Bedingt durch etliche Missernten benötigte das Gut in den 1920er Jahren laufend Zuschüsse von der Familie Krupp von Bohlen und Halbach, sodass ein Verkauf in Erwägung gezogen wurde. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland war dies jedoch nicht möglich und so wurde das Gut von 1925 bis 1945 an Egbert Hayessen aus Hammer (heute zu Liebenwalde) verpachtet. Statt einen Pachtzins entrichten zu müssen, wurde dem Pächter auferlegt, in den ersten zehn Jahren weitere 900 Morgen Land urbar zu machen.

Ein Flugplatz wird errichtet

Südöstlich vom Gutshof ließ die Familie Krupp ein Gelände als Landeplatz für Flugzeuge herrichten. 1927 nahm die Lufthansa diesen Feldflugplatz in ihr Streckennetz als Notlandeplatz auf.

Die erste Schule für Clausheide

Ebenfalls im Jahr 1927 wurde in Klausheide die erste Schule gegründet. Bis dahin wurden die Schulkinder mit einem pferdebespannten „Schulwagen“ des Gutes nach Altendorf, Bakelde und Nordhorn gefahren. 1926 wollte die Gutsverwaltung diesen Dienst allerdings einstellen – es kam zu einem Schulstreik. Als 1927 die Achse des Schulwagens brach und die Kinder zwei Wochen nicht die Schule besuchen konnten, setzten die Eltern ein Protestschreiben auf und es wurde der Entschluss gefasst, in Klausheide eine Schule zu gründen. Diese nahm noch im selben Jahr ihren Betrieb auf: In einem Raum der Wohnung von Lehrer Fritz Strotmann wurden alle 32 Schüler der überkonfessionellen Volksschule unterrichtet. 1936 stellte die Gutsverwaltung dann einen ausgedienten Lokschuppen als Schule zur Verfügung.
Karte der Gemeinden Bookholt, Klausheide und Nordhorn

Aus Clausheide wird die Gemeinde Klausheide

Der Gutsbezirk Clausheide erstreckte sich auf mehrere Gemarkungen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Lingen: Bakelde, Lohne, Herzford, Elbergen, Engden und Hesepe. Siedlung und Gutshof befanden sich auf dem Gebiet der Gemarkung Bakelde. In dieser Gemarkung befanden sich seit der Markenteilung von 1864 auch Gebiete der Gemeinden Altendorf und Nordhorn. Zum 1. Juli 1929 wurden die Gemeindegebiete im Raum Nordhorn neu geordnet: Große Teile von Altendorf, Bakelde und Bookholt sowie kleinere Flurstücke der Gemeinden Brandlecht und Hesepe wurden nach Nordhorn eingemeindet. Zuvor war schon der Gutsbezirk Frenswegen und bereits 1921 die Gemeinde Frensdorf nach Nordhorn eingemeindet worden. Es verblieben die sogenannten Restgemeinden Bookholt und Bakelde. Die Restgemeinde Bakelde wurde gebildet aus den zum Gut Clausheide gehörenden Flurstücken sowie unbewohnten Teilen von Bakelde, dem sogenannten Grünland, gelegen östlich der Lee und nördlich der Chaussee Nordhorn–Lingen. Im Dezember 1930 beantragte der Rat dieser Gemeinde die Umbenennung in Clausheide. Mit Erlass des preußischen Staatsministeriums vom 18. April 1931 erfolgte die Umbenennung der Gemeinde Bakelde in Klausheide. Der Gemeinderat beantragte, die Schreibweise auf „Clausheide“ abzuändern, da die Benennung ja nach Claus von Bohlen und Halbach erfolgt sei; der Minister des Innern verweigerte dieses Ansinnen mit der Begründung: „…Gemeinde- und Ortsnamen slawischen und deutschen Ursprungs sind im Anlaut mit K zu schreiben.“ Gleichwohl setzte sich die neue Schreibweise nur langsam durch.
Luftbild von Gut und Siedlung Klausheide 1936

Militärische Nutzung statt Landwirtschaft

1933 stellte die Familie Krupp der Reichswehr ein Gelände südlich des Ems-Vechte-Kanals in den Gemarkungen Hesepe und Elbergen als Artillerie-Schießplatz zur Verfügung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände auch als Schießplatz der Luftwaffe genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die britische Royal Air Force das Gelände und richtete dort unter dem Namen Nordhorn Range einen Luft-/Bodenschießplatz ein.

Aus dem Feldflugplatz wird ein Einsatzhafen

Von Oktober 1944 bis März 1945 wurde der Flugplatz militärisch genutzt (Einsatzhafen Klausheide, E21). Am 22. November 1944 wurde die zweite Gruppe des Jagdgeschwaders 26 (II./JG26) auf dem Flugplatz stationiert. Während ihrer Zeit in Klausheide hat die zweite Gruppe des Jagdgeschwaders 26 etwa 80 Maschinen verloren, 30 Piloten kamen ums Leben und weitere fünf gelten als vermisst. Am 24. März 1945 wurde das Flugfeld durch 58 amerikanische Langstreckenbomber vom Typ „Liberator“ zerstört. Sie warfen in mehreren Wellen 122 Tonnen Bomben ab. Die am Platz stationierten Flugzeuge blieben unbeschädigt, da sie gut getarnt im angrenzenden Wald untergestellt waren. Schon in der darauf folgenden Nacht wurde eine Notstartbahn am südlichen Rand des Platzes planiert und am nächsten Morgen begann die Verlegung der Maschinen nach Celle. Dabei stießen zwei Maschinen zusammen und die Piloten kamen ums Leben.

1945 bis 1974

Von 1945 bis 1947 befand sich eine Versorgungseinheit polnischer Soldaten auf dem Gut. 1948 wurde das Herrenhaus renoviert und als Nebenstelle des Kreiskrankenhauses Nordhorn für Tuberkulosepatienten genutzt.

Das Gut wird verkauft

1951 verkaufte Bertha Krupp von Bohlen und Halbach das Gut und 1100 Hektar Kulturland für 900.000 DM an die Ferdinand von Lochow-Petkus GmbH aus Bergen (ursprünglich aus Petkus in Brandenburg). Das damals größte deutsche Getreidezuchtunternehmen betrieb bis 1990 in Klausheide Pflanzenzucht und Saatgutproduktion.
Foto der Grundschule Klausheide

Land für ein Gutsdorf

Am 23. November 1951 wurde zwischen der Gemeinde Klausheide und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach ein Vertrag über den Erwerb von 19,55 Hektar Land geschlossen. Damit begann der systematische Aufbau der Siedlung Klausheide. Hintergrund war, dass 35 ehemalige Landarbeiter, die die Altersgrenze erreicht hatten und deshalb die werkseigenen Wohnungen räumen mussten, um Land zur Errichtung eines Eigenheims baten. Das erste Neubaugebiet wies über 100 Bauplätze aus mit einer Größe von durchschnittlich 2500 m². Durch die Ausweisung weiterer Baugebiete wurde Klausheide zwischen 1939 und 1974 die am stärksten wachsende Gemeinde im Landkreis (435,5 % Zuwachs).

Klausheide wird Gewerbe- und Industriestandort

Am Westrand des Dorfes wurde ein erstes Gewerbegebiet eingerichtet. Neben einer großen Türen- und Fensterfabrik beherbergte das Gebiet etliche Handwerksbetriebe. Seit dem Konkurs der Fensterfabrik nutzen verschiedene Gewerbetreibende das Gelände.
Nach dem Krieg sollte der Flugplatz aufgeforstet werden, aber die Luftsportler der Region bemühten sich hartnäckig um die Wiederaufnahme des Flugbetriebes. 1952 startete das erste Segelflugzeug auf dem wieder hergerichteten Flugplatz, der seit 1957 von einer Gesellschaft, bestehend aus Kommunen und Vereinen, betrieben wird.

Die Schule kommt ins Dorf

Am 3. Mai 1956 wurde im Ortskern ein neues Schulgebäude mit zwei Klassenräumen bezogen, das bereits 1964 aufgrund stark steigender Schülerzahlen durch einen Erweiterungsbau um vier Klassenräume ergänzt werden musste. Seit 1967 müssen neu eingeschulte Schüler nach der vierten Klasse eine weiterführende Schule – zumeist in Nordhorn – besuchen. Im Jahre 1973 wurden die letzten Achtklässler der Volksschule abgeschult; aus der achtjährigen Volksschule wurde eine vierjährige Grundschule.

1974 bis 1989

Am 1. März 1974 trat durch das „Osnabrück-Gesetz“ die Gemeindegebietsreform im ehemaligen Regierungsbezirk Osnabrück in Kraft Foto des Kindergartens Klausheide und Klausheide wurde, gemeinsam mit den Gemeinden Bimolten, Bookholt, Brandlecht, Hesepe, Hestrup und Hohenkörben (Ksp. Nordhorn), in die Kreisstadt Nordhorn eingegliedert.

Lärmschutzzone tritt in Kraft

Am 17. November 1978 trat die „Verordnung über die Festsetzung des Lärmschutzbereichs für den Luft/Boden-Schießplatz Nordhorn“ (FluLärmNordhV) in Kraft. Da das Dorf Klausheide innerhalb des Lärmschutzbereichs 1 liegt, ist hier das Errichten neuer Wohnungen nicht erlaubt. Das Verbot gilt nicht für die Errichtung von Durch die Festlegung der Lärmschutzbereiche ist das Gebiet der Wohnbebauung von Klausheide seit Ende der 1970er Jahre praktisch unverändert. Im Wesentlichen wurden und werden nur vorhandene Baulücken gefüllt.

Ab 1990

Ende des Gutsbetriebs

1990 wurde der Gutsbetrieb eingestellt, das Herrenhaus sowie zwei Nebengebäude wurden an die Arbeiterwohlfahrt (AWO) verkauft. Die Speichergebäude sind seither in Privateigentum. Ab 1994 wurde mit dem Umbau des Herrenhauses begonnen und seit 1996 betreibt die AWO auf dem Gut ein Wohnheim für chronisch mehrfach beeinträchtigte abhängigkeitskranke Menschen.

Klausheide als Gewerbe- und Industriestandort

Östlich des Dorfes wurde nach der Aufgabe des Gutsbetriebs ein Gewerbe- und Industriegebiet eingerichtet. Hier hat sich insbesondere die Reinert-Ritz GmbH angesiedelt, ein Unternehmen für die Konstruktion und Herstellung von Rohrleitungsformteilen aus Kunststoff. Seit Mai 2020 ist die Vrielmann GmbH dort ansässig, die elektrische und elektronische Anlagen wie Trafostationen, Schaltanlagen und Steuerungstechnik plant, fertigt und installiert. Im Süden wurde ein 11,5 ha großer Solarpark (4147,36 kW) von der Solarkraftwerk Klausheide GmbH & Co KG errichtet.
In den 2000er Jahren wurde auch nördlich des Dorfes und westlich des Gutshofes ein Gewerbe- und Industriegebiet errichtet. Hier hat sich, neben diversen kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben, im November 2017 die Optibrut GmbH, eine Brüterei für Masthähnchen mit einer Kapazität von 42 Millionen Küken pro Jahr, angesiedelt.

Die Grundschule wird Montessorischule

Seit 2000 wurde das Schulprofil der Grundschule auf die Pädagogik Maria Montessoris ausgerichtet. Die Schule nahm und nimmt an verschiedenen Projekten und Modellversuchen teil, so ist sie beispielsweise in Kooperation mit dem St.-Ludgerus-Kindergarten Klausheide Modellprojektschule „Brückenjahr“ oder war Pilotschule des Landes Niedersachsen „Schulprogrammentwicklung und Evaluation“. Rat und Verwaltung der Stadt Nordhorn beschlossen im Jahr 2010, eine Nebenstelle der Klausheider Grundschule in der ehemaligen Astrid-Lindgren-Schule am Nordhorner Gildkamp zu errichten. Im Jahr 2011 erfolgte die Umbenennung der Schule in Maria-Montessorie-Schule.
Foto des Gedenksteins zum 100-jährigen Bestehen von Klausheide

Klausheide kommt ins Dorferneuerungsprogramm

Zusammen mit Altendorf und Bakelde sowie Randbereichen von Stadtflur und Deegfeld wurde Klausheide mit Wirkung vom 14. Juni 2012 in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen. Zwischen Oktober und Dezember 2017 wurde die erste größere Maßnahme umgesetzt: der Umbau des Bereichs vor dem Dorfgemeinschaftshaus zum zentralen Dorfplatz. Der Bereich wurde neu gepflastert, es wurden neue Beete angelegt und zwei Bereiche mit einer wassergebundenen Deckschicht ausgerüstet, auf der z. B. Boule gespielt werden kann. Neue Sitzgelegenheiten wurden geschaffen und der Parkplatzbereich wurde optimiert und mit einer Stromtankstelle ausgestattet. Des Weiteren wurden in Zusammenarbeit mit der Initiative Freifunk und dem Kindergarten im Bereich des Dorfplatzes Hot Spots für einen kostenfreien Internetzugang über W-LAN installiert.